Ich bin irritiert – Lebensumstände

Ich habe ein Problem. Ich wohne mitten in Hamburg, habe einen guten Job und eine schöne Wohnung. Und doch bin ich irritiert. Irritiert von den Lebensumständen in Deutschland, in Hamburg, bei mir.

Ich weiß nicht mehr, was ich essen kann.

Gehe ich in den Discounter und kaufe mir ein Stück Fleisch, weiß ich quasi sicher, dass die Tiere unter nicht annehmbaren Zuständen „leben“ mussten. Kaufe ich Bio-Fleisch im Edeka, muss ich mittlerweile auch davon ausgehen, dass das was ich von dem Produkt erwarte, längst nicht eingehalten wird. Deshalb bin ich irritiert von der Nahrungsmittelindustrie, da ich keine akzeptabel umsetzbare Möglichkeit sehe, herauszufinden, was ich eigentlich wirklich esse.

Ich weiß nicht mehr, was ich mit meinem verdienten Geld tun soll.

Soll ich es einer Bank geben, damit diese es in meinem Sinne verwaltet? Leider muss ich vermuten, dass, wie auch in der Nahrungsmittelindustrie, die Bank nicht in meinem Sinn handelt, sondern im Sinne der eigenen Gewinnmaximierung. Unter Umständen finanziere ich, durch mein der Bank geliehenes Geld, sogar Geschäfte die ich keineswegs unterstützen würde. Ich bekomme also nicht die von mir benötigte Transparenz geboten.

Ich weiß nicht mehr, welchen Fernsehsender ich anschalten soll.

Denn wenn ich den Fernseher anschalte, entdecke ich TV-Formate wie „Berlin Tag&Nacht“, die mich an der gesamten deutschen Gesellschaft zweifeln lassen und einen so massiven Fremdscham erzeugen, dass ich nach einer Minute wegschalten muss. Alternative? Extra – das RTL Magazin? Galileo? Selbst die Öffentlich-rechtlichen Sender enttäuschen immer mehr. Günther Jauch z.B. will mir etwas über die Internetsucht erzählen, und dass das Internet alle verblöden lässt. Mein Leben erzählt mir aber etwas ganz anderes: Das TV lässt mich verblöden (ja, sehr pauschalisiert) und vernünftige Blogs sind an manchen Tagen die einzigen Lieferanten von qualitativen durchdachten Inhalten.

Ich weiß nicht mehr, was ich lesen soll.

Die BILD Zeitung fällt eh raus, doch auch andere Zeitschriften, Magazine, Zeitungen strotzen nur so vor PR-Inhalten, Werbung und sehr schlechter Recherche. Qualitätsjournalismus suche ich meist in der ZEIT oder dem SPIEGEL. Hier werde ich sogar manchmal fündig, nur sehr schnell drängt sich mir der Eindruck auf, dass 90% der Bevölkerung solche Inhalte nicht zu schätzen wissen oder gar nicht erst verstehen.

Ich weiß nicht mehr, welche elektronischen Geräte ich kaufen soll.

Ich vermute, dass es nahezu keine elektronischen Geräte zu kaufen gibt, bei denen alle Teile (seien sie nun elektronisch oder nur die Verpackung) unter annehmbaren Arbeitsverhältnissen hergestellt werden. Natürlich wären diese auch sonst nicht finanzierbar, bestimmt nicht… Aber es irritiert mich, dass die Akzeptanz solcher Umstände Alltag geworden ist und nicht einmal mehr hinterfragt wird.

Das alles irritiert mich nicht nur, sondern macht mich zugleich traurig und ich frage mich, welchen Anspruch man an viele Teile des alltäglichen Lebens haben darf.

Es gibt bestimmt Wege, alle diese Bereiche einzeln guten Gewissens für sich selbst (vielleicht sogar gleichzeitig) zufriedenstellend zu managen. Ich bin aber überzeugt davon, dass es einen enormen Aufwand und Mehrkosten mit sich bringt. Und ich bin zudem davon überzeugt, dass viele Menschen in Deutschland diese Möglichkeit überhaupt nicht haben. Ich bin irritiert.


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5 Gedanken zu „Ich bin irritiert – Lebensumstände

  1. You did not remember to note to include Playlist. com, wherever it’s not actually even necessary for one to sign up and you will steady flow any melody you want.

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